Strodehne - Termine 2010

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Reisen nach Strodehne


 

Jungenreise - Der Bericht

Fischer im Nebel

Es ist kurz nach 6.00 Uhr am Dienstagmorgen. Das Getrappel von Gummistiefeln, die hastig die alte Holztreppe hinunterpoltern, Stimmengemurmel und geschäftiges Rascheln und Klappern mit der Angelausrüstung dringt langsam in das von der kurzen Nacht noch müde Bewusstsein der Erzieher.

 

Ist es wirklich schon Zeit aufzustehen?

Schließlich gibt man sich einen Ruck und für diesen Ruck wird man nahezu königlich belohnt: Beim Betreten der vom Morgentau noch feuchtenTerrasse blickt man auf sich langsam dahinschlängelnde Nebelschwaden, die sich mit dem Dampf aus der heißen Kaffeetasse verbinden und langsam zu steigen beginnen. Dahinter geht feuerrot die Sonne über den Feldern auf, deren Strahlen sich vielfach im Nebel brechen.

Ein Dank an die polternden Gummistiefel und ihre Träger, die längst mit ihren Angeln zum Fluss verschwunden sind, um den Fischen nachzustellen.

15 Jungen und 2 Erzieher auf Jungenreise in Strodehne. Ein Abenteuer der besonderen Art.

 

Warum eigentlich nur Jungen?

Nachdem in den Spielen des Vorschulalters das eigene Ich entdeckt wurde, und auch jetzt stetig Neues daran zu Tage tritt, drängt sich mehr und mehr die Frage auf: Wohin wird dieses Ich gehen? Was fängt man damit an und woran orientiert man sich dabei?

Mädchen und Jungen sind verschieden, nicht nur äußerlich, doch worin besteht eigentlich diese Verschiedenheit und wo stehe ich, mit meinem eigenen kleinen Ich, dabei?

In gemischten Gruppen werden solche Dinge anders behandelt als in homogenen. Leicht sind Rollenzuweisungen und die üblichen Attribute für die Jungen und die Mädchen zur Hand, weil noch so viel Unsicherheiten bezüglich des eigenen Geschlechts vorhanden sind.

Aber gibt es die Jungen und die Mädchen überhaupt? Was verbindet mich mit den anderen Jungen oder Mädchen? Was unterscheidet mich von ihnen, und bin ich durch das, was mich unterscheidet, immer noch ein richtiger Junge oder ein richtiges Mädchen? Was ist dieses richtig eigentlich? Wie möchte ich sein, wenn ich einmal ein Mann oder eine Frau bin?

Für diese Fragen müssen den Kindern Räume eröffnet werden, Räume, in denen sie  mal „unter sich“ sind, und eine Möglichkeit hierfür, sind geschlechtshomogene Reisen.

Wir waren gespannt, was uns dort erwarten würde.

 

Neben den Erfordernissen des Alltags, wie z.b. Tisch- und Kochdienste oder das Sammeln von Holz für das abendliche Lagerfeuer, gab es viel Raum für ganz spezielle und spezifische Beschäftigungen, wie natürlich das Angeln oder für die oft mit Misstrauen oder Besorgnis betrachteten „Live-Rollenspiele“ zu „Herr der Ringe“ und „Star Wars“, die sich bei genauer Beobachtung als vielschichtiger erweisen, als es auf den ersten Blick den Anschein macht, denn hier können auch mal Rollen durchlebt werden, die so gar nicht zu einem passen, von den vielen Verhandlungen, die dabei geführt werden müssen und den dabei sich entwickelnden sozialen Kompetenzen ganz zu schweigen.

Das Anglerglück der Jungen bescherte uns an einem Abend das Vergnügen von 8 gebratenen Barschen. Als dann die letzten Schuppen aus den Zähnen entfernt waren, blieb ein recht angenehmer Geschmack zurück.

Beim Bau vom „Wikinger-Schach“ oder Kubb - Spiel haben sich einige Jungen dann auch handwerklich betätigt und sind am Ende zu einem wirklich ansehnlichen Ergebnis gekommen, das auch weiterhin im Hort für Spaß und Spannung sorgen wird.

So waren wir Handwerker, Selbstversorger, wilde Kämpen, bei einer Bootsfahrt Kapitän und Fährtensucher bei der Nachtwanderung, die sich bei prasselndem Feuer wieder aufwärmten. Wir waren Köche und abends beim Vorlesen auch wieder Fantasy- Helden.

 

Natürlich war es nicht immer so romantisch, wie eingangs beschrieben. Konflikte mussten ausgetragen und ausgehalten werden, aber dies ist normal und notwendig für eine funktionierende Gruppe.

Bei einigen Jungen war es uns auch besonders wichtig, sie mitzunehmen, wofür wir mit einigem Nachdruck arbeiten mussten, um ihnen neue Wege und eine bessere Anbindung an die Gruppe der Jungen zu ermöglichen.

Diese Rechnung ist aufgegangen und es sind neue Freundschaften entstanden, die weiterhin gepflegt werden.

 

Dann plötzlich war Stille… Alle sind sie nach Hause gefahren… Zurück blieb ein einsamer Erzieher auf einem klapprigen Stuhl auf der Terrasse.

Es ist ein stiller, von grauen Wolken verhangener Herbsttag. Die Blicke wandern über die braunen Felder und vom See her dringen, vom Nebel gedämpft, die Chöre der Wildgänse.

Langsam macht sich die Müdigkeit bemerkbar, aber zum ersten Mal ist die Gelegenheit da zu sagen: Ja es war schön! Bis zum nächsten Mal!